Forumbeitrag 2 (UWL)

Hallo zusammen,

ich stehe extra eine Stunde früher auf, um auf die Zweifel zu reagieren, welche vor Michael geäußert wurden. Hoffentlich reicht diese Zeit.

Die Argumente mit der Sprache, der Mathematik und der Grenze des Vorstellungsvermögens, sind geläufig bekannte Argumente, nur selten findet man Leute wie Michael (habe mich weiter in den Foren umgesehen, was er so schrieb, aber natürlich nicht alles), welche das Verstehenwollen vor das Dogma von Lehrmeinungen setzen (so in etwas ein Diskussionspunkt irgendwo im Forum). Natürlich wird das erst einmal als anmaßend empfunden, verständlich. Aber wer hier eine andere Einstellung hat, der hat Rückendeckung von einem ganz großen Wissenschaftstheoretiker:

Wer wie ich nur als Philosoph gegen ein herrschendes Dogma wie dieses antritt, muss nicht nur mit Gegenschlägen rechnen, sondern auch mit Spott und Verachtung. Er wird mit der Behauptung, dass alle kompetenten Physiker wissen, dass die Kopenhagener Deutung richtig ist […], ziemlich unter Druck gesetzt.

Popper: Die Quantentheorie und das Schisma der Physik, 1967.

Ich mag aber (auch) daran erinnern, dass die Interpretation der Quantentheorie ein offener (philosophischer) Knackpunkt im Geschäft der Physik ist. Wie lang schon wird sich gestritten, ob man Teilchen nur als Punkte denken dürfe? Woher man diesen Punkten dann Masse zuerkennen dürfe? Nur zwei Beispiele.

Nichtphilosophen mögen Popper nur als Stifter der Idee Falsifikation kennen. Dann kann man den Ausflug in die Philosophie schon wieder schließen. Der Schatz an Erkenntnissen ist aber wesentlich höher, wenn man sich diesem Denker zuwendet. (Ich teile seine Ansichten zum Bewusstsein nicht, um das erwähnt zu haben.)

Wer die Interpretationsschwierigkeiten der QT als „bereits geklärt“ beiseite legt, der ist ggf. in der gleichen Situation wie ein Anhänger Newtons vor Einstein.

Man sehe sich einmal diesen Brief von Newton an:

Brief an Bentley: „[…] daß die Gravitation eine natürliche, inhärente und wesentliche Eigenschaft der Materie sei, so daß ein Körper aus der Ferne durch ein Vakuum hindurch, ohne Vermittlung irgend eines Etwas, durch welches seine Thätigkeit und Kraft fortgepflanzt würde, auf einen anderen Körper einwirken könne, ist für mich eine große Absurdität, daß ich glaube, niemand, der in philosophischen Dingen eine ausreichende Denkfähigkeit besitzt, kann jemals darauf verfallen.“

Die Vorstellbarkeit einer solchen Absurdität einer unmittelbaren Fernwirkung, ist dann aber jedermann geradezu geläufig geworden. In etwa wie heute geläufig ist, dass ein Quantenobjekt nur eine Existenz in Wahrscheinlichkeiten habe.

„Mir scheint“ der folgende Satz ist richtig:

Shut up. Don’t calculate. Think about the essence of matter first.

Viele Grüße

Christian