Popper: Einfaches Sprechen und klares Sprechen

Meiner Meinung nach ist es eine Art Lebensaufgabe, sich zu trainieren, so klar wie möglich zu sprechen. Das wird nicht dadurch erreicht, dass man besonders auf die Worte achtet, sondern es wird dadurch erreicht, dass man seine Thesen klar formuliert, so formuliert, dass sie kritisierbar werden. Die Leute, die zu viel über Begriffe oder Bedeutung oder Definitionen reden, die bringen eigentlich nichts vor, das einen Wahrheitsanspruch erhebt. Eine Definition ist eine reine konventionelle Angelegenheit. Es gibt da eine Einstellung, die meiner Meinung nach überaus ruinös für die Philosophie ist, nämlich die Einstellung, dass man erwartet, dass jedermann die Begriffe, die er benützt, definieren kann: Was meinen sie bei Gerechtigkeit zum Beispiel. Gewöhnlich weiß er nicht, wie er es definieren soll, aber das bedeutet doch nicht, dass er nicht weiß, was Gerechtigkeit ist. Wenn einer zuerst nicht gewusst hat, was Gerechtigkeit, wird er es nachher auch nicht wissen. Definitionen helfen nicht. Und helfen sicher nicht zur Klarheit. Sie führen nur zu einer prätentiösen, falschen Präzession. Zum Gefühl, der spricht besonders präzise. Aber die Präzession ist eine Scheinpräzession, ist nicht wirkliche Klarheit. Aus diesem Grund bin ich gegen die Diskussion von Begriffen und gegen die Diskussion von Definition, sondern für einfaches Sprechen und klares Sprechen.