Gerhard Vollmer – Mathematik und Wirklichkeit

Guten Tag Herr Prof. Vollmer,

ich mochte einmal wieder zur Feder greifen, um meinen Dank für eine besondere Perle aus „Was können wir wissen?“ auszudrücken. Im Kapitel „Mathematik und Wirklichkeit“ schreiben Sie:

Die „Welt“ wird in dieser Darstellung als ein Modell der mathematischen Theorie aufgefasst. Dieser metamathematische Modellbegriff ist dem üblichen Modellbegriff im gewissen Sinne entgegengerichtet. Normalerweise spricht man davon, dass physikalische Theorien Modelle der Realität bilden (sollen); unsere Charakterisierung fasst Realität aber als Modell mathematischer Theorien auf. […]
Erkenntnisfortschritt ist dann folgendermaßen zu verstehen: Wir verändern nicht so lange sie Realität (die es ja nur einmal gegeben ist), bis sie Modell einer fest vorgegebenen Theorie ist, sondern wir wechseln so lange die Theorien und Zuordnungsregeln, bis die fest vorgegebene Realität als Modell einer Theorie erscheint, die wir dann als die richtige ansehen.
Sobald ein Kalkül in diesem Sinne angewendet wird, verliert er den Charakter eines rein logischen, rein mathematischen, rein strukturwissenschaftlichen Systems. Ein realistisch interpretierter mathematischer Kalkül wird also zu einer deskriptiven Theorie, die richtig oder falsch, empirisch prüfbar und widerlegbar sein kann. […] Unsere Versuche, die Welt als Modell mathematischer Kalküle zu sehen, könnte also scheitern.  (S. 99)
Ist dieser Ansatz irgendwo auf fruchtbaren Boden gefallen, dann würde ich das gern lesen? Oder geben sie nur eine Meinung wieder, welche Philosophen, Mathematikern und Physikern vollkommen geläufig ist?
Ich lese gerade Hermann Weyl „Was ist Materie? Zwei Aufsätze zur Naturphilosophie“ (1924). Sie erwähnen ihn auch im Buch zwei Mal. Es geht ihm auch ganz zentral um das Problem, inwiefern die Raumzeit-Mathematik letztendlich Materie erschaffen kann. Mögen sie, dass ich Ihnen von meinen Emporirrungen bei dieser Lektüre (kurz) immer wieder einmal berichte? Immerhin würde es Ihr Interessengebiet „Mathematik und Wirklichkeit“ berühren.
Mit herzlichen Grüßen
Ihr
CB

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