C.-F. v. Weizsäcker: Zum Problem einer einheitliche Feldtheorie

in: Louis de Broglie und die Physiker (Claassen Verlag, Hamburg 1955)

Eine Festschrift zum 60. Geburtstag von Louis de Broglie.

S. 99 f.

In ihrer ursprünglichen Fassung stellt die allgemeine Relativitätstheorie das metrische Feld der Materie dual gegenüber. Demgemäß kennt sie zwei Grundsätze. Sie fordert einerseits, daß die Materie das metrische Feld nach einer Gleichung des allgemeinen Typus Rik = Tik erzeugt, und sie fordert andererseits, daß ein Massenpunkt in diesem Feld auf einer geodätischen Linie läuft. Inzwischen konnte gezeigt werden, daß das 2. Gesetz aus dem 1. folgt und im 1. der Materietensor Tik fortgelassen werden kann, wenn man die Materie konsequent als Singularität im Felde behandelt. Doch bleibt eine solche Theorie bisher eine Folge von Νäherungen und konnte nicht zu einer strengen Lösung der Feldgleichungen ausgebaut werden. Auch ist es bisher dunkel, wie sich diese Theorie zu der Tatsache verhält, daß die Materie selbst ein Feld ist.

Schon bald nach der Entstehung der allgemeinen Relativitätstheorie versuchte Weyl, den Elektromagnetismus ebenfalls in die Metrik einzubeziehen. Dieses Programm ist bis zu den letzten Arbeiten von Schrödinger und Einstein immer wieder aufgenommen worden, ohne daß eine der bisherigen Fassungen der Theorie allgemeine Anerkennung gefunden hätte. Die Frage liegt nahe, ob das Programm überhaupt durchführbar ist.